Nach eigener Aussage ist "Myblog" mit über einer halben Million Nutzern die größte deutsche Weblog-Community. Viele ihrer Blogger sind Schüler und damit Zielgruppe der rechtsradikalen Partei. Vergangenen Freitag sahen die Nutzer der Plattform Werbung für den NPD-Wochenbrief auf den Myblog-Seiten. Die Werbung verwies direkt auf die NPD-Homepage, auf der man den Newsletter abonnieren kann.
Den Regeln des modernen Kapitalismus folgend werden die Blogs durch Google-Werbung finanziert. Diese können auch Wahlwerbung beinhalten, wie etwa für Bündnis 90/Die Grünen vor den vergangenen Bundestagswahlen. Die Anzeigen werden automatisch gemäß der Schlagwörter der jeweiligen Seite dem Content thematisch angepasst generiert. Beinhaltet die Seite eine Erwähnung der NPD - gleich in welcher Weise, positiv oder negativ - bietet sich dadurch die Generierung einer NPD-Werbung an. Der Blogger selbst kann die Auswahl des Werbebanners nicht beeinflussen. Die einzige Möglichkeit, NPD-Werbung zu verhindern, läge in einem Ausschluss dieser Werbung durch die Myblog-AG.
Die Myblog-AG reagierte verwundert über die NPD-Werbung. Ein Sprecher teilte der taz auf ihre Anfrage hin mit, man sei bislang noch nicht mit rechtsradikalen Werbeeinblendungen konfrontiert gewesen und werde die entsprechende Seite sofort von den Angeboten ausschließen. Er wandte jedoch ein, es könne bis zu drei Tage dauern, bis auch Google dem Ausschluss dieser politisch extremen Werbungen nachkomme. Bereits am selben Tag verschwanden die NPD-Einblendungen bei Myblog.
Warum Google NPD-Anzeigen überhaupt in ihr Angebot aufnimmt, ist jedoch unklar. Die Sprecherin von Google Deutschland, Lena Wagner, erklärte dazu:
"Google ist eine Werbeplattform, die grundsätzlich jedem offen steht, der sich bei seiner Werbung an die Gesetze und unsere Werberichtlinien hält. Google erlaubt in Deutschland, allen nicht vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Parteien bei AdWords zu werben, solange sie sich an die Richtlinien halten. Wir dulden jedoch keine Gewalt oder Hass fördernden Anzeigentexte.“ Gerade diese Aussage gibt Gabriel Landgraf vom Zentrum Demokratische Kultur in Berlin Anlass zur Kritik in Bezug auf Googles Aufnahme von NPD-Werbung in ihren Produktkatalog:
„Wenn man sich das Wahlprogramm ansieht, werden andere Menschen gezielt ausgegrenzt und ein Systemwechsel propagiert. Das ist eine Form von Gewalt.“ Auch die Online-Ausgabe der rechtskonservativen Zeitung "Die Welt" erregte im Herbst 2009 Aufsehen durch NPD-Werbeeinblendungen. Damals kamen die Werbeanzeigen ebenfalls über Google auf die Internetseite der Welt Online. Der Geschäftsführer der antirassistischen Amadeu Antonio Stiftung hoffte seit diesem Zeitpunkt darauf, dass Google aus eigenem Antrieb heraus diese Werbungen abstelle.
Landgraf fordert nun Google auf, sich ernsthaft mit der NPD und ihren Inhalten auseinanderzusetzen.
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gulli.com